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Ein feines Vasenpärchen für das Porzellanschloss Anhalts

Oranienbaum/MZ - Schloss Oranienbaum: Bundestagsmitglied Ulrich Petzold leistet einen Beitrag zur weiteren Bestückung des Ledertapetensaals. Nachahmer werden noch gesucht.

von Andreas Behling

Die Leerstellen im original erhaltenen Ledertapetensaal des Oranienbaumer Barockschlosses haben sich am Mittwochvormittag wieder verringert. Zwei der für fein gearbeitete Fayencen vorgesehenen Konsolen in dem seit knapp zweieinhalb Jahren wieder zugänglichen Raum bestückte jetzt der Selbitzer CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold mit einem Vasenpärchen. Ihm ging dabei "Schlossherrin" Bürgit Klaut zur Hand.

Der Politiker, der für die blau-weißen Porzellangefäße ein Echtheitszertifikat erhielt, hoffte bei seinem Abstecher in die Barockstadt, dass sein Beispiel in der Region Schule macht. "Jeder sollte überlegen, ob ihm ein kleiner Beitrag zur Unterstützung möglich ist", warb Petzold um Unterstützung.

Walter Keddi, Geschäftsführer der Gesellschaft des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs, wünschte sich ebenfalls, dass das Vorbild des 58-jährigen Christdemokraten der Spendenbereitschaft einen weiteren spürbaren Schub verleiht. In Kooperation mit der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz strebt die Gesellschaft jedenfalls an, möglichst viele Besucher dafür zu begeistern, zwei gleiche Fayencen, einen so genannten "Zwilling", zu erwerben.

Einer von ihnen soll die eigenen vier Wände des Käufers schmücken. Das andere Exemplar - "Die Zwillinge sind nicht eineiig. Jedes Gefäß ist ein Unikat", betonte Keddi - ist für den Ledertapetensaal gedacht, damit dessen frühere Pracht bald wieder nachempfunden werden kann. "Als Kind hat es mich ganz schön erschüttert, wie wenig von einem Schloss vorhanden war, wie man es sich eigentlich erträumte", gestand Petzold.

Vor gut drei Jahrhunderten hätte sich das kunstsinnige Herz des Selbitzers vor Freude wohl beinahe überschlagen. Ab 1692 habe Fürstin Henriette Catharina begonnen, eine Porzellangalerie einzurichten, berichtete Wolfgang Savelsberg, Abteilungsleiter Schlösser / Sammlungen bei der Kulturstiftung. Später dann sei die noch heute erlebbare Gestaltung auf Veranlassung von Fürst Franz von Anhalt-Dessau aus einer verschollenen Grotte ausgebaut und nach Oranienbaum verlagert worden.

"Hier herrschte ein Luxus, der königlichen Schlössern glich", formulierte der Fachmann. Seine Kollegin Kristina Schlansky fügte voller Begeisterung hinzu. "Wir können mit Fug und Recht vom Porzellanschloss Anhalts sprechen."

Eine Aussage, die von einer Inventarliste aus dem Jahr 1708 gestützt wird. Seinerzeit waren im gesamten Gebäude mehr als 1 500 Fayencen verteilt. Diese üppige Ausstattung lässt der Ledertapetensaal inzwischen zumindest schon zu einem kleinen Teil erahnen.

Stiftungsdirektor Thomas Weiss schätzte mithin ein, dass der Umgang mit der weiteren Ausschmückung der Wand in Deutschland einigermaßen einmalig sein dürfte. Indem man die Firma Schellbach GbR aus Dessau-Mosigkau für die Nachfertigung verschiedenartig geformter Vasen gewinnen konnte, sei die Region eng mit dem Vorhaben verbunden. "Es ist eine gewisse Bodenhaftung gewahrt", konstatierte Weiss, der mit Freude vernahm, dass die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs aus dem Verkauf der Maronen auf dem Wörlitzer Adventsmarkt 927 Euro zur weiteren Bestückung der Konsolen zur Verfügung stellt.

Mitteldeutsche Zeitung Dessau-Roßlau, 10.12.2009

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