CDU Politiker will für Arbeitnerhmer kämpfen
Wittenberg/MZ - Ulrich Petzold hat zum dritten Mal nach 1990 und 1994 das Direktmandat in der Region geholt - und damit eine seit 1998 andauernde SPD-Vorherrschaft gebrochen. Mit dem 58-jährigen CDU-Politiker aus Selbitz sprachen die MZ-Redakteure Steffen Brachert und Dirk Skrzypczak.
Wie froh sind Sie über den Sieg im Wahlkreis 71?
Petzold: Das war mittlerweile mein sechster Bundestagswahlkampf. Da will ich über froh nicht sprechen. Ich bin dankbar über den Vertrauensbeweis der Wähler, die vielen Helfer in meinem Wahlkampfteam. Und ich bin stolz auf meine Partei.
Die SPD hat historische Einbrüche hinnehmen müssen, hier in der Region sogar noch stärker als auf Bundesebene. Überrascht sie das?
Petzold: Kein bisschen. Vor drei, vier Wochen war ich zum ersten Mal im Straßenwahlkampf unterwegs. Nach den Gesprächen mit den Menschen war mir klar, dass die SPD keine Chance hat, dass alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Linken hinausläuft. Ich habe die Prognosen nie verstanden.
Was ist Ihre Erklärung für den Einbruch der SPD?
Petzold: Die SPD hat einen reinen Wahlkampf gegen die CDU geführt. So etwas kommt beim Wähler nie gut an. Und die SPD hat ihre linke Flanke aufgerissen - und hat dort klar versagt.
Was nehmen Sie sich für die nächste Legislaturperiode vor?
Petzold: Ich werde alles dran setzen, die Annäherung von Wittenberg und Dessau-Roßlau zu forcieren. Die Region kann nur dann stark werden, wenn man sich gemeinsam präsentiert. Und dann will ich versuchen, den Menschen hier in der Region die Angst vor Schwarz-Gelb zu nehmen. Ich bin Gewerkschafter. Ich werde weiter für Arbeitnehmerrechte kämpfen.
Wo wollen Sie bundespolitisch Akzente setzen?
Petzold: Warten wir die erste Fraktionssitzung ab. Dann sieht man, wer wo verfügbar ist. Ich gehe aber davon aus, dass ich im Bereich Umwelt weiter mitarbeiten werde, weil dieses Themenfeld auch einen hohen Bezug zu meiner Heimat hat. Und dann müssen wir die erneuerbaren Energien vorantreiben. Wir unterstützen ein Projekt, in dem die Hochschule Anhalt involviert ist. Da geht es um eine Fabrik in der Nähe von Berlin, in der durch ein katalytisches Verfahren aus Müll Biokraftstoff gewonnen werden soll. Seit dem Wochenende steht endlich die Finanzierung.
Die Region wurde zuletzt durch zwei Bundestagsabgeordnete vertreten. SPD-Mann Engelbert Wistuba war Ihr Kollege in Berlin. Wird es schwierier, die Region im Bundestag zu vertreten?
Petzold: Ich habe mich bei Engelbert ausdrücklich bedankt für die jahrelange, vertrauensvolle und faire Zusammenarbeit. Doch klar ist, dass es als Einzelkämpfer künftig schwieriger wird in Berlin.-
Wie feiert Ulrich Petzold?
Petzold: Ich feiere nicht. Ich bin einfach nur dankbar. Sie werden mich nicht springen sehen. Dafür schwirren mir jetzt zu viele Gedanken durch den Kopf.
Mitteldeutsche Zeitung, 29.09.2009
