Sachsen-Anhalt – ein archäologisch sensationelles Land
Archäologisch betrachtet ist Sachsen-Anhalt ein außerordentlich interessantes Land. Den ungewöhnlich reichen Bestand an archäologischen Denkmalen aller ur- und frühgeschichtlichen sowie mittelalterlichen Epochen gilt es zu nutzen. Doch bedeuten archäologische Sensationsfunde automatisch auch Sensationstourismus für das Land? Ziehen spektakuläre Funde wie das Erzbischofsgrab im Magdeburger Dom, die Himmelsscheibe von Nebra, das Sonnenobservatorium bei Goseck oder die bei Pömmelte entdeckte „deutsche Stonehenge-Variante“ Touristen aus dem In- und Ausland magisch an? Fragen, die im Mittelpunkt eines Politik+Club der CDU-Landtagsfraktion mit dem Landesarchäologen Prof. Dr. Harald Meller standen. „Automatisch funktionieren archäologische Funde nicht als Tourismusmagnet“, betonte Meller. So sensationell ein Fund für den Archäologen auch sein mag, so wichtig seien für das öffentliche Interesse daran bestimmte Kriterien. „Storytelling“ fasst Meller diese Kriterien zusammen und meint damit, dass die Menschen sich insbesondere von den Geschichten rund um die Fundstücke begeistern lassen. Handelt es sich um einen Schatz, gibt es einen Mythos rund um den Fund, etwas Rätselhaftes oder außerordentliche Begleitumstände, wie die Raubgrabung bei der Himmelsscheibe? Mit jedem Kriterium wächst die Wahrscheinlichkeit des öffentlichen Interesses, der medialen Begleitung und damit die Bedeutung für den Kultur- und Geschichtstourismus des Landes. Wissenschaftliches und öffentliches Interesse können dabei gut Hand in Hand gehen, denn die wissenschaftliche Archäologie wird auf Dauer nur die notwendigen öffentlichen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, wie sie versteht, die Öffentlichkeit auf dem Weg ihrer Forschungserkenntnisse mitzunehmen. Und so besteht die umfangreiche Arbeit der Archäologen insbesondere darin, durch ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse die Geschichte rund um einen spektakulären Fund erzählen zu können. Neue Methoden wie die DNA-Analyse oder die Massenspektrometrie haben die Archäologie in den vergangen Jahren revolutioniert, wie Meller sagt. Sie bringen mehr Details, lassen die Geschichten um archäologische Funde größer und glaubwürdiger werden und „bringen ganze Generationen ins Staunen“. Von der Politik in Sachsen-Anhalt erhofft sich Harald Meller weiter Unterstützung und Förderung. „Jeder Euro, der für die Archäologie ausgegeben wird, bringt dem Land über den Tourismus zehn Euro wieder zurück“, meint er. „Das Potential der Archäologie, die touristische Entwicklung des Landes voranzubringen, ist in Sachsen-Anhalt besonders hoch“, sagte Lars-Jörn Zimmer, tourismuspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Die weitere Unterstützung und Förderung durch die Landespolitik sei sicher. (26. März 2010)
